
Integrationspreis 2010 für Projekt „Nachbarn leben miteinander - 1. Schlaatzer Nachbarschaftskonferenz"
Zum sechsten mal wurde der Integrationspreis der Landeshauptstadt Potsdam verliehen. Die Festveranstaltung fand in diesem Jahr in der Reithalle A in der Schiffbauergasse statt. Oberbürgermeister Jann Jakobs, die 1. Stellvertreterin des Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung Birgit Müller und die Vorsitzende des Migrantenbeirates Olga Schummel nahmen die Ehrung der diesjährigen Preisträger vor. Jörn-Michael Westphal, Geschäftsführer der PRO POTSDAM, überreichte den „Sonderpreis Nachbarschaft".

Die Preisträger 2010:
1. Preis
„Nachbarn leben miteinander - 1. Schlaatzer Nachbarschaftskonferenz"
Wie entwickelt sich ein vertrauensvolles, wertschätzendes Miteinander in einem dicht besiedelten Wohngebiet? Mit dieser Frage hat sich das Projekt „Nachbarn leben miteinander" befasst und einen Prozess im Wohngebiet am Schlaatz in Gang gesetzt. Zuerst erfolgte eine Befragung durch ehrenamtliche Interviewer am Schlaatz: die Befragten wurden gebeten, aus ihren bisherigen positiven Erfahrungen mit ihren früheren und jetzigen Nachbarschaften zu berichten. Es wurde auch nach den Wünschen gefragt. 180 Befragungen haben die Interviewer von Januar bis Juni 2010 durchgeführt und diese ausgewertet. Die Erkenntnisse aus den Befragungen wurden für die folgende zweitägige Nachbarschaftskonferenz aufbereitet. Auf der Konferenz im Juni 2010 wurden in 11 Arbeitsgruppen zahlreiche Projektideen für das Wohngebiet entwickelt. Man hat sich u.a. über die Verkehrslenkung, sportliche Aktivitäten, Nachbarschaftshilfe, Wohnumfeldverbesserung und die Gründung eines Gesprächsnetzes im Wohngebiet ausgetauscht. Am Ende der Veranstaltung haben die Teilnehmer ihre Maßnahmenvorschläge, auf die sie sich geeinigt haben, vorgestellt und Unterstützer für die Phase der Umsetzung gesucht. Nach der Konferenz im Juni begann die Phase der Umsetzung der vereinbarten Ziele. Am 30. September 2010 wird es eine Folgekonferenz geben, auf der das bis dahin Erreichte vorgestellt wird.
2. Preis
„LEBENSWEGE, HELDENTATEN von Kindern und Jugendlichen in der Zeit des Nationalsozialismus - Ein Lesebuch für Schülerinnen und Schüler"
Dieses Buch ist als Ergänzung zum Geschichtsunterricht, bei der Behandlung des Holocaust gedacht. Die Texte des Buches befassen sich mit Erfahrungen und Widerstandshandlungen von Kindern und Jugendlichen während der Zeit des Nationalsozialismus. Herr Rozenfeld, der Autor des Buches, kam mit 76 Jahren als jüdischer Zuwanderer aus Odessa in der Ukraine nach Deutschland. Er erlebte und überlebte im Alter von 10-13 Jahren die Zeit des Holocaust und der Todesmärsche. Für ihn war das Schreiben eines Buches zum Thema „Kinder während des Holocaust" eine Herzensangelegenheit. In Anlehnung an seine frühere Arbeit als Lehrer für Mathematik und Informatik entstand seine Idee des Lesebuches über Kinder und Jugendliche in der Zeit des Nationalsozialismus. So war es ihm besonders wichtig, Kinder und Jugendliche nicht nur als Ermordete und Gerettete, sondern auch als Helfer, Retter und Widerstandskämpfer darzustellen. Der Autor hat dabei ein Team von Übersetzern und Redakteuren des Buches um sich geschart, die durch die gemeinsame Arbeit am Buch in einen lebhaften Erfahrungsaustausch über die unterschiedlichen Lebenserfahrungen in Deutschland und in ehemaligen GUS-Ländern getreten sind.
3. Preis
„Grün bewegt - Integration am Schlaatz" eingereicht vom Brandenburgischen Kulturbund e. V.
Vor gut 10 Jahren wurde der Integrationsgarten und internationale Schulgarten am Schlaatz in Trägerschaft des Brandenburgischen Kulturbundes e.V. gegründet. Seitdem wirtschaften Vertreter vieler Nationalitäten in diesem besonderen Garten - wo die Grenze zwischen den kleinen Parzellen nicht aus einem Zaun, sondern aus Gras besteht. Seit der Gründung des Gartens besteht eine aktive Zusammenarbeit der Gärtner mit den Schülern, Lehrern und Eltern der benachbarten Weidenhof-Grundschule. Die Schüler nehmen mit Freude an der Gartenarbeit auf ihrem Schulgarten-Grundstück teil, sie beobachten das Leben der Bienen, lernen Honig schleudern. Sie lernen auch die Pflanzen kennen, die die Gärtner des Integrationsgartens aus ihren Heimatländern mitgebracht haben. Die Schüler nehmen auch die kreativen Angebote im Garten, wie Papierschöpfen, vier Jahreszeiten oder Pfad der Sinne gern an. Vor der Schule wurde vor einigen Jahren eine Streuobstwiese angelegt. Später entstand zusammen mit den Schülern die Idee, auf dieser Wiese auch einen Naschgarten mit einer „essbaren Hecke" und einen sogenannten „Überflussgarten" anzulegen. Der Integrationsgarten fließt in das Wohngebiet am Schlaatz hinaus. Im Sommer 2010 entstanden die ersten kleinen Gartenparzellen auf dem Hof des Asylbewerberheimes am Nuthetal, am südlichen Ende des Wohngebietes am Schlaatz.
Sonderpreis Nachbarschaft der PRO POTSDAM
„Kleingartenverein ‚Freundschaft 2001‘ e. V." eingereicht vom Kleingartenverein „Freundschaft 2001" e. V.
Mehrere Aussiedlerfamilien in Potsdam haben sich einen Kleingarten gewünscht. Im Jahr 2001, in dem die BUGA in Potsdam ausgerichtet wurde, entstand im Verein „Potsdamer Garten- und Siedlerfreunde" die Idee, die gärtnerische Tätigkeit mit der „Integrationshilfe" zu verbinden. So wurde eine neue Kleingartensparte unter dem Namen „Freundschaft 2001" gegründet. Unter den neuen Gartennachbarn haben sich Freundschaften gebildet, die gegenseitige Hilfe ist Selbstverständlichkeit. Die Familienfeste, die wiederkehrenden Feste des Jahreskreises wie das Erntedankfest werden gemeinsam vorbereitet und gefeiert. Die Nachbarn tauschen ihre fundierten gärtnerischen Erfahrungen aus. Die stabilen und langjährigen Kontakte nutzen die Gärtnerinnen und Gärtner auch im Alltag, in verschiedenen Lebenssituationen. Die Gartensparte „Freundschaft 2001" am Rande des Potsdamer Volksparks hat seinen Namen mit Leben erfüllt und diesen Namen richtig verdient.
Der Integrationspreis wurde 2005 von den Mitgliedern des damaligen Ausländerbeirates initiiert, von den Stadtverordneten unterstützt und beschlossen und mit einem Preisgeld von insgesamt 1000 Euro ausgestattet. „Mit der Auslobung des Integrationspreises verfolgt die Stadt das Ziel, besondere Leistungen auf dem Gebiet der Integration zu würdigen", sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs. „Gute Beispiele gelungener Integration sollen alle Potsdamerinnen und Potsdamer zur aktiven, unterstützenden Beteiligung am Integrationsprozess von Migrantinnen und Migranten motivieren."
Potsdamer Vereine, Initiativen, Privatpersonen, Schulen, Kindergärten, Betriebe und andere Organisationen wurden aufgerufen, sich um den Integrationspreis der Landeshauptstadt 2010 zu bewerben. Die Schirmherrschaft für den Integrationspreis haben der Oberbürgermeister Jann Jakobs und Peter Schüler, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung, übernommen.
Die PRO POTSDAM stiftet alljährlich einen „Sonderpreis Nachbarschaft", der im Rahmen des Integrationspreises der Landeshauptstadt Potsdam vergeben wird. Mit ihm werden Projekte gewürdigt, die dem täglichen gutnachbarschaftlichen Zusammenleben verschiedener Kulturen und Generationen dienen. Der Sonderpreis ist mit 500 Euro dotiert.
Weitere Informationen und Kontakt:
Migrantenbeirat der Landeshauptstadt Potsdam
Tel.: 0331 289-3346
Fax: 0331 289-843346
E-Mail: Migrantenbeirat@Rathaus.Potsdam.de




